Shelleys Bergastrild

Cryptospiza shelleyi

Prof. Dr. Sven Cichon, Bonn/D

Der Text wurde in veränderter Form entnommen aus: CICHON, S.: Begegnung mit zwei seltenen Prachtfinkenarten, veröffentlicht in der Zeitschrift „Gefiederte Welt“ im Heft 3 2009 S.26-27. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe

Einer der seltensten Vögel Afrikas ist der Shelleys Bergastrild (Cryptospiza shelleyi), der in den schwer zugänglichen Regenwäldern des ostafrikanischen Grabenbruchs lebt. In diesen Wäldern, im Grenzgebiet zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo, gibt es eine einzigartige Artenfülle, viele Tier- und Pflanzenarten sind dort endemisch.

Auch zwei Prachtfinkenarten kommen ausschließlich in diesem Gebiet vor, Jacksons Bergastrild (Cryptospiza jacksoni) und besagter Shelleys Bergastrild. Während Jacksons im Bestand gesichert scheint, ist Shelleys äußerst selten, seine Populationsgröße scheint zudem aus ungeklärten Gründen dramatisch abzunehmen.

Obwohl dieser Vogel nur eine von vielen Arten im ostafrikanischen Grabenbruch ist, muß seine Bestandsabnahme uns in höchstem Maße beunruhigen. Denn sie sagt etwas über den Zustand des Ökosystems dort aus; der rapide Rückgang könnte möglicherweise Folge eines bisher unerkannten, größeren Waldsterbens sein, das eine Gefahr für die gesamte Tierwelt der Region (darunter z.B. Gorillas) und somit letztlich auch für den Menschen darstellen würde. Bezeichnenderweise wurde Shelleys Bergastrild selbst von einheimischen Vogelführern sowie Mitarbeitern von Naturschutzorganisationen in den letzten Jahren nur äußerst sporadisch gesichtet. Laut der Roten Liste der IUCN hat er mittlerweile ein hohes Risiko in der Natur auszusterben. Die aktuellen Bestandsschätzungen liegen bei 2500 – 10.000 Tieren, Tendenz abnehmend. Diese Zahl könnte deutlich überschätzt sein, da bei bisherigen Zählungen nur so wenige Vögel gefunden worden sind, dass die Schätzung der Populationsgröße mit großer Unsicherheit behaftet ist. Die Seltenheit wurde zusätzlich noch dadurch eindrucksvoll unterlegt, dass es bislang kein Foto eines lebenden Vogels gab. 2005 gründeten einige Vogelliebhaber aus Südafrika und Australien die „Rare Finch Conservation Group“ (RFCG; http://www.rarefinch.co.za/), eine Vereinigung zum Schutz körnerfressender Vogelfamilien, insbesondere der Finken (Fringillidae), Prachtfinken (Estrildidae), Ammern (Emberizidae), Weber- (Ploceidae) and Witwenvögel (Viduanae). Zu den Hauptzielen der RFCG gehört der Schutz dieser Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum und die Erforschung ihrer Lebensgewohnheiten und Brutbiologie. Die RFCG startete kürzlich ein Projekt, das mehr über die Lebensweise des Shelleys Bergastrild, die tatsächlichen Bestandszahlen und die Gründe für die Populationsabnahme herausfinden soll und Schutzmaßnahmen erarbeiten und umsetzen soll. Dieses Projekt finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern. Als eines der ersten Ziele sollte zunächst einmal ein Foto von einem lebenden Shelleys gemacht werden. Bislang war nur ein einziges Foto aus den 1970er Jahren bekannt, das in dem Buch „Les oiseaux de Zaire“ von Willens & Lippe abgebildet ist (Abb. 1). An ein neueres Foto heranzukommen, stellte für die RFCG bereits eine große Hürde dar, und es dauerte mehrere Monate, bis es schließlich gelang. Zudem war es nicht die RFCG, sondern eine Gorilla-Schutzorganisation (http://www.gorillas.org/), der schließlich ein Shelleys Bergastrild ins Netz ging. Bei dem in Abb. 2 gezeigten Vogel handelt es sich um ein Männchen, das im Februar 2008 am Mount Tshiaberimu nördlich des Edward-Sees gefangen wurde. Nach diesem ersten Schritt will die RFCG jetzt einen Weg finden, die Gründe für die Bestandsabnahme herauszufinden und diesen Trend aufzuhalten, wenn nicht gar umzukehren. Einer der südafrikanischen Direktoren des RFCG, Eelco Meyjes, ist für jede Spendenhilfe bei der Unterstützung dieses Projektes dankbar. Für weitere Informationen sei die Homepage der RFCG empfohlen, die mittlerweile auch in deutscher Sprache verfügbar ist (http://www.rarefinch.co.za/index.asp?l=ger).

Wie erfolgreich und effizient die Arbeit solcher Schutzprojekte sein kann, ist vielen von uns wohl durch den Fonds zur Rettung der Gouldamadine (Chloebia gouldiae) klar geworden („Save the Gouldian Fund“, http://www.savethegouldian.org/). Seit seiner Gründung im Jahre 2005 konnten bereits viele bisher unbekannte Details über die Lebensgewohnheiten dieses Symbolvogels der Prachtfinkenliebhaber erforscht werden. Zudem sind durch die gezielte Einrichtung von Schutzgebieten im natürlichen Lebensraum in Nordaustralien wieder steigende Betandszahlen zu verzeichnen.

Abb. 1: Shelleys Bergastrild, Männchen. Aufnahme von 1974 aus dem Buch „Les oiseaux de Zaire“ von Willens & Lippe.

Abb. 2: Shelleys Bergastrild, Männchen. Aufnahme von 2008 (mit freundlicher Genehmigung von www.gorilla.org)

Text in veränderter Form entnommen aus: Cichon, S.: Begegnung mit zwei seltenen Prachtfinkenarten. Die Gefiederte Welt, 3/2009, S. 26,27.