Die Einrichtungen zur Gouldamadinenforschung und der Fonds zur Rettung der Gouldamadine

Pollard, Marcus, Tasmania/AUS übersetzt von Rasim, Dr. Wolfgang, Hamminkeln/D (Mitglied der ESTRILDA)


Forschungsgebäude zur Gouldamadinenzucht
Foto: Marcus Pollard

Inhalt

1. Die Personen

Wenn Sie das Entstehen des Fonds zur Rettung der Gouldamadine und seine Gründung im wunderschönen Mornington Naturschutzgebiet der privaten Organisation Australian Wildlife Sanctuary (AWC) verfolgt haben, sind Sie sicherlich auch interessiert an der sich gerade entwickelnden Arbeit im schon öfter erwähnten Gouldamadinen Forschungszentrum in Neusüdwales (südöstlicher Bundesstaat des Australischen Staatenbundes mit der Hauptstadt Sydney). Sie werden mir sicherlich zustimmen: „Wer die Gouldamadine retten will, muss alles über sie wissen.“ Dies ist der Versuch, genau das zu tun.

Dr. Sarah Pryke

In den wunderschönen Berge von Cooranbong in Neusüdwales, da wo die Rufe des Glockenvogels erklingen, liegt das Haus des Gründers des Gouldamadinenfonds, des bekennenden Gouldamadinen-Liebhabers Mike Fiedler. Nachdem Mike und Elisabeth vor 4 Jahren Australien zu Ihrer Heimat gemacht hatten, haben sie eine Reihe von Volieren und Vogelräumen konstruiert, wie sie Australien noch nicht gesehen hatte. Als glücklich - zumindest aus Sicht der Gouldamadinen - entpuppte sich der Vorschlag von Doug Hill, Präsident der Prachtfinkenvereinigung von Australien, Mike möge doch Bekanntschaft mit Dr. Sarah Pryke von der Universität von Neusüdwales (UNSW) machen. Mike sah in dieser Begegnung zweier verwandter Seelen die Basis der Gouldamadinenforschung von Sarah und der Universität auf seinem Grundstück.

2. Die Anlage

Über Mikes persönliche Volieren wurde schon viel geschrieben und sie sind auch in vielen Liebhaberzeitschriften vorgestellt worden. Unbekannt geblieben jedoch sind seine Forschungseinrichtungen. Diesen Mangel wollen wir beheben:

Die Anlage besteht aus zwei Forschungsgebäuden, von denen das erste 9 mal 11 m groß ist und in 5 Flüge unterteilt wurde.

Jeder Flug wiederum ist 6 m lang, 2 m breit und steigt in der Höhe von 1,75 m vorne auf 3 m hinten an. Ein Grund für diesen Anstieg ist die Möglichkeit, Dominanz-Hierachien untersuchen zu können, da dominante Vögel versuchen werden, den jeweils höchsten Punkt in der Voliere zu besetzen. Jeder Flug ist mit einer Reihe von Zweigen und Nistkästen ausgestattet, die in aufsteigender Reihenfolge angeordnet sind; auch das, um durch Dominanz bestimmtes Verhalten untersuchen zu können.

3. Dominanz-Hierachien

Die Ergebnisse von Dr. Prykes erstem Untersuchungsthema über Dominanz-Hierachien zwischen den drei Kopf-Farbvarianten können Sie unter http://www.savethegouldian.org/science/reds.htm nachlesen. Dies ist die erste wissenschaftliche Arbeit, die im Forschungszentrum fertig gestellt wurde.

Forschungsvoliere

In jedem Flug ist eine 100 Watt Infrarot-Lampe so an der Decke befestigt, dass sie etwa 35 cm über dem Boden hängt. Diese Idee, die von Eelco Meyjes aus Südafrika übernommen wurde, dient als Wärmequelle für gerade ausgeflogene Jungvögel und hilft außerdem allen Vögeln in der Voliere, die sich etwas krank fühlen. An kühlen Tagen kann man ohne Probleme die meisten Bewohner der Voliere morgens unter der Lampe sehen, um sich für die Tagesaktivitäten aufwärmen zu lassen.

Dieser Bereich des Zentrums wird zur kontinuierlichen Erforschung des Verhaltens der Gouldamadinen genutzt: Dies schließt Fragestellungen ein wie: sind Rot- oder Schwarzköpfige die besseren Eltern? Züchten Rotköpfige besser, wenn sie in Gruppen mit anderen Rotköpfigen gehalten werden oder wenn sie mit Schwarz- und Gelbköpfigen zusammen leben? Werden Gouldamadinen auf die Kopffarbe ihrer Eltern geprägt?

Diese Experimente sind das, was Dr. Pryke ihre „Reine Wissenschaft“ nennt, nämlich Forschung zur Klärung der Frage, warum die drei unterschiedlichen Kopffarben in der Natur nebeneinander existieren. Ohne zu sehr mit Wissenschaft langweilen zu wollen will ich kurz aus Sicht eines Laien beschreiben, wie das gemacht wird: Jeder Vogel im Untersuchungsprogramm wurde mit einem codierten Transponder an seinem Fußring versehen, der seine individuelle Identifikation im Schwarm ermöglicht.

Nistkasten mit Einschlupfröhre

Während der Brutzeit hat jeder Nistkasten eine Antenne und eine Leuchtanzeige, die es für einzelne Vögel erlaubt, zu erkennen, wenn sie in das Nest schlüpfen oder es verlassen und natürlich auch, wie lange sie darin bleiben. Der Transponder erkennt, wer den Nistkasten aufsucht und die Leuchtanzeige signalisiert, wie oft er gekommen und gegangen ist.
Diese Untersuchung kann hoffentlich eine Menge Informationen über die Nestgewohnheiten der verschiedenen Kopffarben liefern.

Die Transponder und Antennen werden auch zum Studium des Schwarmverhaltens genutzt, indem die relative Sitzposition jedes Vogels mit magnetisch codiertem Ring auf jedem Zweig der Voliere registriert wird. Dies ergibt zusätzliche Informationen über die Veränderungen der Dominanz-Hierachie in dem Schwarm, beispielsweise ob sie mit dem Jahreszyklus der Vögel korrelieren.

4. Ernährungsforschung

Der zweite Block in dieser Anlage ist 9,8 m lang und 5,5 m breit und beinhaltet zwei Räume, die mit vielen Käfigen und dem Labor von Dr. Pryke ausgestattet sind.

Vielleicht sind es gerade die Untersuchungen, die in diesem zweiten Block durchgeführt werden, die uns Vogelzüchter am meisten interessieren: Hier finden die Ernährungsversuche statt, die zum Ziel haben, einen dem jährlichen Lebenszyklus angepassten Futterplan der Gouldamadine zu entwickeln.

Das Ziel von Dr. Pryke ist eine preisgünstige, fertig anwendbare Futtermischung, die nur aus den besten verfügbaren Rohstoffen besteht und die die besonders anstrengenden Perioden im Jahresverlauf der Goulds abdeckt, nämlich die Regenerierungsphase und auch die anstrengenden Zeiten der Brut und der Mauser. Das Ergebnis wäre für uns Züchter sicherlich besonders interessant, da die Untersuchungen von Dr. Pryke parallel zu der Freiland-Ernährungsforschung laufen, die im Naturschutzgebiet der Australischen Wildlife Conservancy (AWC) in Mornington, Nordwest-Australien, durchgeführt wird.

5. Das beste aus beiden Welten!

Auch hier versuche ich Ihnen eine vereinfachte Darstellung der Hauptpunkte aus Dr. Prykes Ernährungsforschung zu geben: Dr. Pryke ist davon überzeugt, dass die meisten Futterzusammenstellungen viel eher durch die Verfügbarkeit der einzelnen Saaten bestimmt werden als durch die Bedürfnisse der Vögel selbst. Welcher Züchter könnte dem enrsthaft widersprechen? Das Hauptziel der Forschung ist die Messung einer Reihe von physiologischer Parameter der Gouldamadinen während der verschiedenen Stufen ihres jährlichen Lebenszyklus. Damit soll herausgefunden werden, wann die Vögel unter dem größten Stress stehen - während des Wachstums, wenn sie Mausern oder Brüten zum Beispiel. Wenn Dr. Pryke erst einmal weiß, wie Stress sich bei den Vögeln zeigt (diese Arbeit läuft gerade) wird sie die dazu passenden Nährstofferfordernisse zu bestimmen.

Futterküche
Voliere mit automatischer Wasserversorgung

Dadurch dass den Vögeln ermöglicht wird, ihre optimale Nahrung aus einer sehr großen Vielfalt von Samen zu wählen, wird sie messen können, wie sich die Anforderungen an die (also Eiweiß, Kohlehydrate, Mineralien, Spurenelemente etc.) je nach Lebensabschnitt ändern.
Während all dieser Untersuchungen werden die Vögel einer Reihe von physiologischen Tests unterzogen, durch die ihre Gesundheit regelmäßig überprüft werden kann.

Dies erlaubt Dr. Pryke zu bestimmen, welche Futterzusammenstellung die beste für die Gouldamadinen ist und ob - und wenn ja wie - diese Mischung in den verschiedenen Lebensabschnitten geändert werden sollte. Alles in allem also ein seriöser Versuch, eine Futtermischung für Prachtfinken wissenschaftlich zu entwickeln.

6. Ihre Hilfe

Stabilisierung der wilden Gouldamadinenbestände durch Forscher und Züchter gemeinsam: lassen Sie uns hoffen, dass dies der Beginn einer sehr fruchtbare Zusammenarbeit ist.
Bleiben Sie dem „Fonds zur Rettung der Gouldamadine“ weiterhin treu und verfolgen Sie unsere Berichterstattung. Vor allem aber werden sie so bald wie möglich ein Sponsor des Fonds zur Rettung der Gouldamadine. Jeder Cent zählt.

prachtfinken/gefaehrdete_prachtfinken/be002.txt · Zuletzt geändert: 2018/10/28 12:49 (Externe Bearbeitung)