Selbstgemachtes Aufzuchtfutter für Prachtfinken

Armin Zeder, /CH

Dieser Bericht wurde zuerst in der Zeitschrift Gefiederter Freund, Verlag Walter Mägerli, Läufelfingen - Schweiz im Heft 3 2000 (47.Jahrgang) veröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe
Junger Pünktchenamarant, der mit diesen Mischungen von seinen Eltern grossgezogen wurde.
Foto: Armin Zeder

Inhalt

1. Einleitung

Es ist allgemein bekannt, dass unser Angebot an Futtermitteln für unsere Vögel zum allergrössten Teil nur ein Ersatz ist für das Futterangebot, das die Natur unseren Pfleglingen zur Verfügung stellt. Das Ziel dieses Berichtes ist es eine Alternative zu bieten, um in der Anwendung von Aufzuchtfutter einen neuen Weg beschreiten zu können.

Claus-Futter wird in beiden Mischungen verwendet
Foto: Armin Zeder

Wir alle kennen die Vielfalt an Ei- und anderen Zuchtfutter, die uns die Futtermittelindustrie anbietet. Die meisten Züchter haben sich im Laufe der Zeit für eine bestimmte Marke entschieden, andere wiederum verzichten ganz auf industriell gefertigte Ersatzfutter. Während all den Jahren, in denen ich Vögel züchtete, machte ich die Feststellung, dass manches noch so hoch angepriesene und gelobte Aufzuchtfutter oft von meinen Vögeln nicht beachtet, respektive nur zu einem ganz kleinen Teil aufgenommen wurde und somit praktisch immer alles auf dem Kompost landete.

Im Herbst `97 hatte ich die Gelegenheit, anlässlich einer Tagung der ESTRILDA in Kassel an einem Referat zum Thema Aufzuchtfutter von Herrn P. Spitzer - einem ausgewiesenen Prachtfinkenspezialisten - teilzunehmen. Aus den oben erwähnten Gründen war ich natürlich gespannt auf seine Ausführungen.

Die nachfolgenden Futterzusammenstellungen basieren auf den Angaben von Herrn Spitzer. Abweichungen zum Originalrezept ergaben sich insofern, dass ich die angegebenen Mengen auf ca. ein Drittel reduziert habe, um sie auf die Bedürfnisse meines Vogelbestandes (ca. 50 Vögel) anzupassen. Der zweite Unterschied zum Originalrezept - das aus einer Grundmischung, respektive einer Fertigmischung besteht – liegt darin, dass die Herstellung so abgeändert wurde, dass die Mischungen in einem Arbeitsschritt gemixt werden können.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an die Adresse von Herrn Frank Schäkermann (Offenbach) aussprechen, dank dessen Anregungen und Unterstützung dieser Bericht zu Stande gekommen ist.

Nachfolgend beschreibe ich die Herstellung eines Insektenaufzuchtfutters und einer Mischung, die auf der Basis von Ferkelwühlerde hergestellt wird.

2. Herstellung des Insektenaufzuchtfutters

Insektenfutter - Fertigmischung

Produktbezeichnung Benötigte Menge Kosten Verpackungseinheit
Cédé Eifutter Kanarien 330 g 1,53 € 1.000 g
Cédé Eifutter Sittche 330 g 1,53 € 1.000 g
Cédé Mix 330 g 1,82 € 500 g
Cédé Insekten Fett fein, grün 200 g 2,57 € 600 g
Cédé Insekten mit Honig, lila 200 g 3,59 € 600 g
Claus Honig-Alleinfutter, Type 1a, schwarz 512 g 23,18 € 200 g
Claus Fett-Alleinfutter, Type 1 rot 424 g 10,97 € 200 g
Knaulgras Saatqualität 480 g 2,54 € 1.000 g
Petersilien getrocknet 208 g 8,32 € 21 g
Karotten fein geraspelt 256 g 0,50 € 1.000 g
Äpfel fein geraspelt 128 g 0,21 € 1.000 g
Pinkys, gefrostet, gehackt 1200 g 25,13 € 1 Liter = ca. 494 g
Ameisenpuppen, gefrostet 400 g 28,46 € 1 Liter = ca. 380 g
Nekton Tonic I 120 g 8,99 € 120 g
Total 5.118 g 119,33 €
tiefgefrorene, vorher abgebrühte Buffalos
Foto: Markus Lüscher
gefrostete Ameisenpuppen
Foto: Markus Lüscher

Alle aufgelisteten Komponenten werden in einem grossen Plastikbecken zusammengeschüttet. Zum Mischen der Futtermittel haben sich als bestes Mittel die Hände erwiesen. Durch das Verreiben zwischen den Handflächen kann man das Bilden von Klumpen sehr gut verhindern. Die so gewonnene Menge von ca. 5118 Gramm lässt sich idealerweise in Portionen von ca. 160 Gramm auf 32 Halbliter-Tiefkühlbehälter verteilen.

3. Herstellung der Ferkelwühlerde - Fertigmischung

Ferkelwühlerde - Fertigmischung

Produktbezeichnung Benötigte Menge Kosten Verpackungseinheit
Ferkelwühlerde 1240 g 0,40 € 24.000 g
Claus Fett-Alleinfutter, Type 1 rot 300 g 7,76 € 200 g
Knaulgras Saatqualität 180 g 0,87 € 1000 g
Mineralgrit oder Magenkiesel 60 g 0,13 € 1550 g
Pinkys, gefrostet, gehackt 1200 g 2,51 € 1 Liter = ca. 494 g
Petersilie getrocknet 28 g 1,11 € 21 g
Total 1928 g 12,78 €

Auch diese Rezeptur wird auf dieselbe Weise wie das Insektenfutter miteinander vermischt.

Die 1928 Gramm Futter lassen sich auf 12 halbliter Tiefkühlbehälter verteilen, was 12 Portionen von ca. 160 Gramm entspricht.

Aufgrund meiner gemachten Erfahrung, dass meine Prachtfinken (vorwiegend Amaranten-Arten) die ganzen Pinkys (Fliegenmaden) nicht gerne annehmen, zerhacke ich die noch hart-gefrorenen Pinkys in kleine Stücke und gebe sie so der Mischung bei. Natürlich kann der Madenanteil auch durch die entsprechende Menge Ameisenpuppen (oft fälschlicherweise als Ameiseneier bezeichnet!) ersetzt werden.

Fütterungsbereite Ferkelwühlerde - Fertigmischung Foto: Markus Lüscher

4. Varianten

Weitere Varianten an Stelle der Pinkys bieten Heimchen (Acheta domesticus) oder Getreideschimmelkäferlarven (Alphitobius diapernius) (Buffalos). Beide Insektenarten werden von mir vor dem Einfrieren im kochendem Wasser abgebrüht, in einem Sieb mit kaltem Wasser abgespühlt und danach in einem Handtuch kurz getrocknet. Das Abbrühen ist deshalb wichtig, weil sonst die Insekten nach dem Auftauen verklumpen und sehr schnell schwarz werden und somit von unseren Vögeln nicht mehr aufgenommen werden. Das Abbrühen und Einfrieren nach oben beschriebener Methode hat zusätzlich den Vorteil, dass man zu jederzeit das nötige „Lebendfutter“ zur Hand hat. Dadurch ist man auch nicht den Lieferengpässen der Lebendfutterlieferanten ausgesetzt.

5. Hilfsmittel / Zubehör

Für einen reibungslosen Ablauf der Futterherstellung haben sich folgende Utensilien sehr gut bewährt. Eine Gewichtswaage mit einer 1 Gramm Skala. Ein grosser Plastikbehälter zum Mi-schen. Ein wasserfester Filzschreiber um die Gefrierbehälter zu beschriften. Ein Suppenlöffel für genaueres abwägen der einzelnen Zutaten. Ein Zwiebelhacker mit dem die hartgefrorenen Pinkys zerkackt werden können. Zusätzlich werden 32 Gefrierbehälter von 0.5 Liter Inhalt für das Insektenfutter und 12 Dosen für die 2. Mischung benötigt, in denen die Portionen zum Einfrieren abgepackt werden können. Wichtig ist auch, dass man vorgängig für genügend Platz in der Tiefkühltruhe sorgt!

6. Bezugsquellen / Kosten

Alle angegebenen Produkte bekommt man auf dem schweizer Futtermittelmarkt. Für interessierte Züchter gebe ich gerne im Detail die Bezugsquellen an.

Der Gesamtkostenaufwand für die Produkte des Insektenaufzuchfutter (8115 Gramm) beträgt ca. 157,15 €. Daraus wurden 5120 Gramm Insektenfutter zu einem Preis von 119,33 € hergestellt. Daraus abgeleitet resultiert folgender Kilopreis:

Preis pro 1 kg Insektenfutter (119,33 € : 5120 g X 1000g) 23,28 €

Die Herstellungskosten der Ferkelwühlerde-Mischung sind bedeutend geringer:

Preis pro 1 kg Ferkelwühlerde (12,78 € : 1928 g X 1000g) 10,25 €

7. Zusammenfassung

Brütendes Weibchen des grauen Schwarzkehl-Amaranten Foto: Markus Lüscher Der Preis von 23,28 € für ein Zuchtfutter stellt sicher einen stolzen Betrag dar. Wenn man jedoch den hohen Nährwert und den damit verbundenen Zuchterfolg in den Vordergrund stellt, relativiert sich dieser Preis wieder von selbst. Ich bin der Meinung, dass wir es unseren Pfleglingen schuldig sind ein ausgewogenes und möglichst naturnahes Futter zur Verfügung zu stellen. Die Qualität darf nicht abhängig sein vom Kostenaufwand. Die Tatsache, dass es Herrn Spizter gelungen ist, solche „heiklen“ Vögel wie z.B. den Wienerastrild (Pytilia afra), oder das Schwarzbäckchen (Neisna melanotis melanotis) in grosser Anzahl zu züchten, spricht für diese Futtermischungen! Auch mir gelangen einige interessante Zuchten, wie die des Weinroten Schwarzkehlamaranten (Lagonosticta vinacea vinacea), des Grauen Schwarzkehlamaranten (Lagonosticta vinacea togoensis), des Pünktchenamaranten (Lagonosticta rufopicta rufopicta), des Seltenen Amaranten (Lagonosticta rara forbesi), sowie des Maliamaranten (Lagonosticta virata). Die Gabe von je drei Teelöffeln dieser Mischnungen pro Zuchtpaar, verteilt auf den Morgen, Mittag und Abend, reichten zur Aufzucht meiner Jungvögel aus.

1,0 des grauen Schwarzkehl-Amaranten (Lagonosticta vinacea togoensis) Foto: Markus Lüscher

Zusätzlich verabreiche ich während der Zucht, nebst einer Prachtfinkenmischung aus dem Hause Blattner (Deutschland), die kleinkörnige, dreifarbige Mohairhirse. Meine Vögel bevorzugen ganz klar diese Hirse vor all den anderen Sorten. Das ganze wird noch durch die Abgabe der kleinen Tau- oder Essigfliege (Drosophila melanogaster) unterstützt. Drosophilas im Wassernapf, bereit zur Verfütterung Foto: Markus Lüscher

Zuchtdose für Drosophilas mit praktischem Verschluß (blauer Schieber) Foto: Markus Lüscher

Ich bin davon überzeugt, dass mit Hilfe dieses Futters viele, bis jetzt unzuverlässig fütternde, Elterntiere Ihre Jungvögel erfolgreich aufziehen werden.

Zum Aspekt des hochwertigen Aufzuchtfutters kommt noch eine soziale Komponente hinzu, die ich an dieser Stelle auch noch gerne erwähnen möchte. Die beschriebenen Futtermischungen stellte ich zusammen mit einem bekannten Züchter – einem mehrfachen Parus Schweizermeister in der Kategorie Prachtfinken – her. Während den ca. vier Stunden eines Samstagmorgens konnten wir während der Herstellung viele nützliche Tips und Gedanken in einem unterhaltsamen Gespräch austauschen. Da konnte Jung von Alt und umgekehrt viel von einander lernen. Der Altersunterschied verschwand in der Marginalität und die unterschiedliche Verbandszugehörigkeit war nicht mal ein Thema beim anschliessenden Mittagessen. Somit sei wieder einmal bewiesen, dass unser gemeinsames Hobby viel mehr verbindende Elemente als trennende Vorurteile aufweist.

Nebst dem unbestrittenen hohen Qualitätswert dieser beiden Mischungen, sprechen doch auch die zuletzt genannten Gründe für ein Anwenden und Herstellen von diesen Futterrezepten.

haltung/ernaehrung/be0011-aufzuchtfutter.txt · Zuletzt geändert: 2018/10/28 12:49 (Externe Bearbeitung)